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Flugzeuge vomTechnikmuseumSinsheim und Speyer

Geschichte dieser ausgestellten Tupolev TU-144:

Nach langwierigen Verhandlungen ist es dem Museumsverein zum 20 jährigen Museumsjubiläum 2001 gelungen, ein Exemplar dieses Flugzeugtyps, der ein wichtiges Kapitel Luftfahrtgeschichte geschrieben hat, für die Flugzeugausstellung in Sinsheim zu erwerben. In einem aufsehenerregenden Transport, der über 4000 km von Moskau nach Sinsheim führte und europaweit ein riesiges Echo gefunden hat, wurde die Tupolev auf dem Wasser- und Landwege auf das Museumsgelände transportiert und anschließend in Startposition über dem Dach der Halle 1 auf drei Stahlstützen montiert.

Beschreibung:

Auf der Flugausstellung in Paris 1965, als die Sowjets ein Modell der Tu-144 zeigten, drückte Andrej Tupolew den Wunsch aus, seinen Prototyp noch vor der englisch-französischen Concorde fliegen zu sehen.

Äußerlich besteht zwischen Concorde und Tu-144 tatsächlich große Ähnlichkeit. Beide Maschinen verwenden Delta-Flügel und eine zur Landung senkbare Rumpfspitze mit einziehbaren Cockpitfrontscheiben.

Der größte erkennbare Unterschied liegt im Triebwerksbau. Bei der Tu-144 werden vier Kusnezow-Mantelstromtriebwerke mit Nachbrennern verwendet (die Concorde hat Strahltriebwerke), die paarweise unter dem Rumpf angeordnet sind. Jedes Paar besitzt getrennte, nach der Flächenregel geformte Abgasführungen und veränderliche Lufteintrittsöffnungen. Alle 4 Triebwerke sind zur Unterstützung bei Start und Steigflug mit Nachbrennern ausgestattet. Die 2 Außentriebwerke haben sogar Schubumkehr.

Die Entwurfsarbeiten der Tu-144 standen unter Leitung von Andrej Tupolews Sohn, Professor Alexej Andrejewitsch Tupolew. Die Sowjets erprobten - wie die Hersteller der Concorde - die maßstäblich verkleinerten Tragflächen an einem speziellen Forschungsflugzeug.

Tupolews Wunsch, die Tu-144 vor der Concorde fliegen zu sehen, wurde am 31. Dezember 1968 Wirklichkeit, als der erste Prototyp (CCCP-68001) als erstes Überschall-Verkehrsflugzeug startete. Das Debüt des Flugzeugs erfolgte am 21. Mai 1970 auf dem Moskauer Flugplatz Scheremetjewo. 5 Tage später überschritt es mit 2.150 km/h in 16.300 m Höhe als erstes Verkehrsflugzeug der Welt Mach 2 und im Herbst des gleichen Jahres flog sie in 17000m Höhe 2430km/h.

Den ersten schweren Rückschlag erlebte das Projekt 1973 als eine Tu-144 bei der Pariser Luftfahrtausstellung vor den laufenden Kameras der Weltöffentlichkeit abstürzte.

Nach mehrjährigen Weiterentwicklungen nahm die Tu-144 schließlich trotzdem am 1. November 1977 den Liniendienst auf der ersten Überschallroute der Welt zwischen Moskau und Alma Ata auf. Nur 7 Monate später wurden diese Flüge nach einem erneuten Absturz in Jegoriewskiem (Russland) jedoch wieder eingestellt.

Auch die mangelnde Wirtschaftlichkeit mag zu dieser Entscheidung beigetragen haben. Der letzte reguläre Flug einer Tu-144 erfolgte am 1. Juni 1978.

Technische Daten:

Flugzeugname Tu-144
Spannweite 28,90 m
Länge 65,68 m
Höhe 12,85 m
Flügelfläche 438 m2
Geom. Flügelstreckung 1.91
Flächenbelastung 412 kg/m2
Fahrwerk (Spur) 6,05 m
Max. Tankkapazität 114.540 Liter
Max. Startgewicht 180.050 kg
Max. Landegewicht 120.000 kg
Einsatz-Leergewicht 85.000 kg
Max. Treibstoffgewicht 95.000 kg
Höchstgeschwindigkeit 2,5 Mach / ca. 3.000 Km/h
Max. Reisegeschwindigkeit 2.500 km/h
Max. Reisegeschwindigkeit 2,35 Mach
Startrollstrecke 1.900 m
Landerollstrecke 1.500 m
Max. Flughöhe 19.000 m
Max. Reichweite 8.500 km
Max. Passagiere 135
Besatzung 3 bis 4
Triebwerke Kuznetsov NK-321
Triebwerksanzahl 4
Schubkraft 4 x 14.061 kp
Schubkraft mit Nachbrenner ca. 4 x 18.000 kp

technische Kurzbeschreibung:

Rumpf:

Ganzmetall-Halbschalenbauweise; Rumpfspitze bei Start und Landung um 12° in 10 sec. absenkbar; Bremsschirme am Heck.

Tragfläche:

freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise; Doppeldeltaform; Vorderkante und temperaturbeanspruchte Teile aus Titanlegierung; an jeder Flügelhälfte vier Ruder als Höhen- und Querruder

Leitwerk:

großes Seitenleitwerk; zwei Seitenruder

Fahrwerk:

einziehbares Bugradfahrwerk; Bugstrebe mit Zwillingsrädern; an jeder Hauptstrebe Fahrwerkschlitten mit sechs Zwillingsrädern

Erstflug:

31.12.1968 (Dauer 38 Min.) 8.1.1969 (2. Flug, Dauer 50 Min.)

Indienststellung:

26.12.1975 (Moskau-Alma-Ata)

Rekorde:

26.5.1970 (erstes Verkehrsflugzeug, das doppelte Schallgeschwindigkeit (2150km/h in 16.300m) erreichte)

Unfälle:

Paris, Aero-Salon und Jegoriewskiem, Russland (führte zur Einstellung der Produktion und der Weiterentwicklung)