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- Flugzeugmuseum der britischen Luftwaffe in der Mitte Englands -

Die Avro 694 Lincoln war ein britischer 4-motoriger schwerer Bomber des 2 Weltkriegs, der am 9. Juni 1944 seinen Erstflug hatte. Es war der letzte kolbengetriebene Bomber dieser Art, von dem 604 Stück gebaut wurden.

Die Maschine war das Ergebnis der Vorgabe des Luftfahrministeriums B. 14/43. Der ursprüngliche Entwurf sah die Bezeichnung Lancaster Mk.IV vor. Obwohl zahlreiche Komponenten der Lancaster benutzt wurden, waren die Änderungen so umfassend, dass das neue Modell aber in AVRO 694 Lincoln umbenannt wurde. Demnach sollte das Flugzeug eine größere Spannweite haben, höher fliegen, eine größere Bombenlast tragen und einen größeren Tankinhalt fassen. Folglich konnte die Avro Lincoln höher und weiter fliegen, als die Avro Lancaster. Der Prototyp der Lincoln wurde auf dem Flugplatz in Manchester zusammengesetzt und flog am 09.06.1944 erstmals.

Die Betriebsbereitschaft der Avro Lincoln in nennenswerter Stückzahl kam jedoch zu spät, um der Royal Air Force und dem übrigen Commonwealth im 2. Weltkrieg noch entscheidend zu nutzen. Gleichwohl wurden in der Nachkriegszeit mehrere Bomberstaffeln der Royal Air Force mit diesem Muster ausgestattet. Fast 600 Flugzeuge wurden gebaut, mit denen 29 Royal Air Force-Geschwader flogen.

Probleme gab es hauptsächlich bei Nachtlandungen, weil die Avro Lincoln ein Spornrad hatte und das Cockpit sehr schräg nach oben zeigte. Piloten konnten daher die Landebahn nicht richtig sehen.

In den 50er Jahren wurden diese Flugzeuge u.a. in Kenia (Mau-Mau) eingesetzt und in Malaysia, während der dortigen Auseinandersetzungen. Eine Lincoln wurde 1957 von einer russischen MiG-15 abgeschossen, als sich das Flugzeug auf einem Ausbildungsflug nach Berlin befand.

Ende der 50er Jahre, bzw. Anfang der 60er Jahren wurden die Flugzeuge in ihrer Funktion bei der Royal Air Force durch moderne Düsenflugzeuge ersetzt. Einige Flugzeuge dienten später in der argentinischen und australischen Luftwaffe. In England wurden einige Lincoln in den 50er Jahren für die Ortung und Bekämpfung von U-Booten umgebaut. Die als “Langnasen” bezeichneten Varianten Mk. 31 hatten größere Tanks und konnten 13 Stunden in der Luft bleiben. Ferner wurden die Bombenschächte modifiziert, um Torpedos zu laden. Nur 20 wurden gebaut. Nachfolgen in der Funktion als Seeaufklärer wurde die Avro Shackleton, die von der Lincoln abgeleitet wurde.

Eine Transportumwandlung des Lincoln II wurde als “Avro 695 Lincolnian” bekannt. Bei allen dieser Maschinen diente die Avro Lancaster als Grundlage. Verbleibende Restbestände der Lincoln wurden u.a. als Prüfstände für Triebwerksentwicklungen verwendet.

Technische Daten:

Besatzung 7
Antrieb 4 x Rolls-Royce Merlin 85
Leistung 1.774 PS
Geschwindigkeit max. 475 km/h in 4.750 m
Reisegeschwindigkeit 346 km/h in 6.100 m
Reichweite 2.370 km mit max. Bombenladung
Überführungsreichweite 4.720 km
Gipfelhöhe 9.300 m
Steigrate 245 m/min
Länge 23,86 m
Höhe 5,27 m
Spannweite 36,58 m
Leergewicht 19.686 kg
Startgewicht 34.019 kg
Bewaffnung je 2 x 12,7 mm MGs
. Front- und Heckseite
alternativ je 2 x 20 mm Hispano Kanonen
. Front- und Heckseite

vergleiche >>

Varianten:

  • Lincoln I: Langstreckenbomberversion der RAF. Triebwerke: 4 x Rolls-Royce Merlin 85 Kolbenmotore mit jeweils .750- PS
  • Lincoln II: Langstreckenbomberversion der RAF. Triebwerk: 4 x Rolls-Royce Merlin 66, 68 A und 300 Kolbenmotore. Gebaut von Avro, Armstrong-Whitworth und Vickers-Metropolitan
  • Lincoln III: Es wurde beabsichtigt, dass der Lincoln III ein Seeaufklärung und Anti-U-Boot-Jäger werden sollte. Diese Funktion aber später die Avro Shackleton.
  • Lincoln IV: Lincoln II wandelte das Triebwerk Merlin 85 um.
  • Lincoln Mk.15: Version, die von Victory Aircraft in Kanada gebaut wurde.
  • Lincoln Mk.30: Langstreckenbomberversion für das RAAF.
  • Lincoln Mk.30A: Langstreckenbomberversion mit einer längeren Nase für die RAAF.
  • Lincoln Mk.31: Seeaufklärerversion und U-Boot-Jäger der RAAF.