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Flugzeuge im
Royal Air Force Museum
London

- Das Museum der RAF im Bezirk Hendon -

Junkers Ju 88 R1: Der Bomber wurde an allen Fronten bis zum Kriegsende eingesetzt

Junkers Ju 88: Der Bomber wurde an allen Fronten bis zum Kriegsende eingesetzt

Geschichte der ausgestellten JU 88:

Diese Maschine hat eine ganz besondere Geschichte. Sie wurde von einer desertierenden Besatzung bei den Engländern abgeliefert. Nur der Bordfunker wußte nichts von den Plänen seiner beiden Kameraden. Die Maschine hatte das neueste deutsche Radarsystem “FuG 202 Lichtenstein” an Bord, als es am 9 Mai 1943 in Dyce bei Aberdeen (Schottland) eskortiert von englischen Spitfire landete. Der Pilot hatte einen Motorbrand vorgetäuscht und an die deutschen Funkstationen gemeldet. Diese gingen daraufhin davon aus, dass das Flugzeug ins Meer gestürzt sei. Erst einen Monat später erfuhr man über eine Rundfunksendung der BBC den wahren Sachverhalt.

Die Engländer gewannen durch diese Tat einen enormen Vorteil. Sie konnten nun die deutschen Radargeräte gezielt stören und Schwachstellen in ihrem eigenen Bereich abstellen. Zum Beispiel erfuhren sie, dass die Deutschen mittlerweile in der Lage waren das englische „Monica“ Rückwärtswarnradar zum Auffinden der Bomber zu benutzen.

Der desertierte Pilot ist nie in seine Heimat zurückgekehrt und lebt heute mit einer neuen Identität. 1945 wurde diese Junkers JU-88 eingelagert, um 1976 in St Athan restauriert zu werden. Heute steht sie im Museum der Royal Air Force in London.

Junkers Ju 88: Deutscher Bomber bis zum Kriegsende

Beschreibung: 

Die Ju 88 war Ende 1935 das Ergebnis einer Auslese mehrerer Entwürfen für ein mittleres Schnellkampfflugzeug. An der Ausschreibung hatten sich neben Junkers noch Dornier, Henschel, Messerschmitt und später auch Heinkel beteiligt.

Die Ju 88 wurde eines der Standard-Kampfflugzeuge der Luftwaffe des Dritten Reiches. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Ju 88 an allen Fronten bis zum Kriegsende eingesetzt, wobei dieser Flugzeugtyp anfänglich als nicht ausgereift galt. Mehrmals während der Entwicklung modifiziert wurde die Ju 88 aber bald zum Alleskönner, kam aber erst ab Frühjahr 1940 in relevanter Stückzahl zu den Verbänden.

Hauptaufgabe der Ju-88 waren Bombenangriffe, die sowohl im Horizontal- als auch im präziseren Sturzflug ausgeführt werden konnten. Neben ihrer eigentlichen Rolle als sturzflugfähiger Bomber wurde dieser Typ auch als schwerer Jäger, Nachtjäger, Zerstörer, Torpedobomber und Aufklärer gebaut und eingesetzt. Insgesamt wurden etwa 15.000 Stück dieses Flugzeuges hergestellt. Wohl kein Flugzeug wurde in so vielen unterschiedlichen Einsatzbereichen so erfolgreich eingesetzt wie die Junkers Ju 88.

Die hohe Geschwindigkeit, sehr gute Wendigkeit und ihre Robustheit, besonders gegen schwere Beschussschäden, sicherte vielen Fliegern ein Entkommen bei Jägerangriffen und die Rückkehr zum eigenen Flugplatz.

Bei der Junkers Ju 88 handelt es sich um einen 2-motorigen Mitteldecker in Ganzmetallbauweise mit einziehbarem Fahrgestell und zunächst drei Mann Besatzung. Aufgrund ihrer Konturen mit den zwei Triebwerken und der Pilotenkanzel erhielt sie den Spitznamen „Dreifinger-Ju“.

Der Antrieb erfolgte durch zwei 12-Zylinder-V-Motoren des Typs Junkers Jumo 211, später Jumo 213, oder durch Sternmotoren BMW 801 . Der Erstflug erfolgte am 21. Dezember 1936.

Flugzeugführer:
Der Pilot saß links vorne im Cockpit in einem gepanzerten Sitz. Die Bedienungselemente waren für die damalige Zeit sehr benutzerfreundlich ausgelegt, z.B. hatten die unterschiedlichen Hebel alle unterschiedlich geformte Griffe, um sie ohne Hinsehen unterscheiden zu können. Der Pilot war meistens das ranghöchste Besatzungsmitglied. Er flog nicht nur das Flugzeug, sondern war beim Sturzangriff auch für das Zielen und Abwerfen der Bomben zuständig.

Beobachter:
Der Beobachter saß rechts vom Piloten. In früheren Bombern war der Beobachter oft Offizier und Kommandant des Flugzeuges, der Pilot nur der "Kutscher". In der Ju 88 hingegen war der Beobachter lediglich Gehilfe des Kommandanten bei der Navigation. Beim Horizontalangriff bediente er das Bombenzielgerät und löste die Bomben aus. Ferner bediente er das nach vorne gerichtete Maschinengewehr.

Funker:
Der Funker saß mit dem Rücken zum Piloten und bediente die Funkgeräte, die in der Rückwand des Cockpits eingebaut waren. Er war nicht nur für Kommunikation zuständig, sondern mittels Funkpeilung auch für die Navigation. Bei Jägerangriffen bediente er die beiden nach hinten gerichteten Maschinengewehre.

Bordschütze:
Der Bordschütze hatte die unbequemste Position. Er lag meist den ganzen Flug auf dem Bauch in der Bodenlafette und bediente die wichtigste Abwehrwaffe, das nach hinten unten gerichtete Maschinengewehr. Beim Bombenangriff war es zudem seine Aufgabe zu beobachten, ob die Bomben getroffen hatten und oft auch Fotos mit einer mitgeführten Kamera zu machen. Er hatte zudem noch die Funktion eines Bordmechanikers. Bei den Jägerversionen fiel der Beobachter weg, bei Versionen ohne Bodenlafette auch der Bordschütze.

Junkers Ju-88: Der Bomber wurde an allen Fronten bis zum Kriegsende eingesetzt

Technische Daten:  

Junkers JU 88 D-1 / TROP Junkers JU 88

 

Ju 88 A-4

Ju 88 C-6 (1942-44)

Ju 88 G-6 (1944-45)

Einsatzzweck

sturzflugfähiger Bomber

Jagdbomber, Zerstörer und Nachtjäger

Nachtjäger mit Radar

Spannweite

20,08 m

20,08 m

20,08 m

Länge

14,40 m

14,36 m

15,55 m

Höhe

4,85 m

5,05 m

20,08 m

Tragfläche

54,50 m²

54,50 m²

54,50 m²

Triebwerk:

2 x Junkers Jumo 211 J

2 x Junkers Jumo 211 J

Junkers Jumo 213 A

Art

V12-Motore

V12-Motore

V12-Motore

Leistung

2 x 1.410 PS

2 x 1.410 PS

2 x 1.750 PS

Höchstgeschwindigkeit

470 km/h

ca. 490 km/h

625 km/h

Dienstgipfelhöhe

ca. 8.200 m

9.900 m

10.000 m

Reichweite

ca. 2.700 km

1.050 km

ca. 2.250 km

Start-/Fluggewicht

14.000 kg

ca. 12.300 kg

14.500 kg

technische Kurzbeschreibung:   (Ju 88 A-Reihe)

Flügel: Freitragender Tiefdecker. Zweiholmiger Ganzmetallflügel. Gesamte Flügelhinterkante als Klappen ausgebildet, außen als Querruder, innen als Landehilfen. Sturzflugbremsen und Flügelenteisung.

Rumpf: Ganzmetall-Schalenrumpf mit ovalem Querschnitt. Bug als planverglaste Vollsichtkanzel, vollverglaste Führerraumabdeckung dahinter auf dem Rumpf aufgesetzt. Nach rechts verschobene Liegewanne unter dem Rumpfbug (s. u.)

Leitwerk: Freitragendes Normalleitwerk. Aufbau aus Ganzmetall, Trimmklappen in allen Rudern. Einziehbares Normalfahrgestell, hydraulisch betätigt. Hydraulisch bremsbare Haupträder in den Motorengondeln einziehbar. Spornrad ebenfalls einfahrbar.

Triebwerk: Zwei Junkers Jumo 211 flüssigkeitsgekühlte 12-Zylinder-Motoren mit 2 x 1.410 PS Startleistung. Junkers-Verstell-Luftschrauben aus Metall. Kraftstoffkapazität 2.900 Liter in 5 Tanks

Entstehungsgeschichte der Ju 88:  (Vorversionen)

Entsprechend einer Forderung des damaligen Luftfahrtministeriums wurde 1935 eine Ausschreibung für einen Schnellbomber mit drei Mann Besatzung vorgenommen, mit weiteren klaren Zielvorgaben.

Der erste Prototyp “Ju 88 V-l” wurde ab März 1936 gebaut, der Erstflug erfolgte im Dezember des gleichen Jahres. Der zweite Prototyp “Ju 88 V-2” absolvierte im April 1937 seinen Erstflug und erreichte 460 km/h. Die Nachfolgerin “Ju 88 V-3” kam bereits auf über 500 km/h.

Das Luftfahrtministerium äußerte aber bereits Änderungswünsche, die während der ganzen Entwicklung nicht aufhören sollten. Es sollen bis Kriegsende 1945 mehrere tausend Änderungen vorgenommen worden sein.

Die “Ju 88 V-4” hatte bereits eine Kabinenausstattung wie in der späteren Serienausführung, war aber langsamer als der Vorgänger V-3. Eine weitere unbewaffnete Ausführung war die “Ju 88 V-5” mit einem unverglasten Rumpfbug, einer flachen Führerraumabdeckung und 2 Jumo 211-Motoren. Mit dieser Maschine wurde der damaliger Rekorde von 517 km/h über 2.000 km mit einer Nutzlast von 2.000 kg aufgestellt.

Ende 1937 erweiterte das Luftfahrtministerium seine Zielvorgaben für den neuen Bomber erneut. Es sollte ein sturzflugfähiger Bomber mit stärkerer Zelle und Sturzflugbremsen gebaut werden. Der Beschuß nach hinten sollte durch eine Liegewanne erfolgen. Ferner wurde eine Sichtkuppel im Rumpfbug erforderlich. Das Flugzeug sollte auch schnell wahlweise für größere Nutzlast oder Reichweite umrüstbar sein.

Vor allem der bekannte Konstrukteur Udet stand hinter diesen Forderungen und war maßgeblich am Bau der “Ju 88 V-6” beteiligt, die ihren Erstflug bereits im Juni 1938 absolvierte. Die Bombenlast betrug ca. 1.000 kg, die im Sturzflug abgeworfen werden sollte.

Der Prototyp der Zerstörerausführung war die “Ju 88 V-7”, die im September 1938 ihren Erstflug machte. Drei weitere Prototypen folgten bis Februar 1939.

Als der damals verantwortliche Göring im Herbst 1938 den Auftrag zu Großserie für die “Ju 88” vergab, bahnte sich bereits die Tragödie an, die zum völligen Versagen der strategischen Bomberoperationen führen sollte. Als nämlich die Serie anlief, erforderte die Kriegslage dringend strategische Fernbomber. Die “Ju 88” war aber ein mittlerer Bomber, der auch als taktisches Kampfflugzeug eingesetzt wurde. Ihr Versagen als strategischer Bomber kann nicht auf konstruktive Mängel zurückgeführt werden, weil sie für derartige Einsätze nicht gebaut wurde. Trotzdem wurden bis zum Kriegsende ca. 15.000 Maschinen hergestellt und für die verschiedensten Verwendungszwecke eingesetzt.

 

Versionen der Serienproduktion:

Ju 88 A-0

Vorserienmuster

Ju 88 A-1

Bomber - 1. Serienausführung d. Prototyps V-6 ab 1939 - 2 x Jumo B-1-Motoren - verstärkte Bewaffnung

Ju 88 A-2

mit Spezialausrüstung für Katapultstart

Ju 88 A-3

Schultrainer mit Doppelsteuer

Ju 88 A-4

auf 20,08 m vergrößerte Spannweite - verstärkte Bewaffnung - erhöhte Bombenlast - leistungsfähigere Triebwerke - verstärktes Fahrwerk

Ju 88 A-5

2 x Jumo 211 G-Motoren - vergrößerte Bombenzuladung - sonst aber der A-1 entsprechend

Ju 88 A-6

mit Ballonabschervorrichtung - eine Rohrkonstruktion zerschneidet Ballonseile

Ju 88 A-7

Schulflugzeug - 2 x Jumo 211 H-Motoren.

Ju 88 A-8

mit »Kuto-Nase« als Ballonseilabschneidevorrichtung - sonst ähnlich A-4

A-9 bis A-11

Tropenausführung für Wüsteneinsatz - zusätzliche Spezialausrüstung mit u.a. Wasserbehältern

Ju 88 A-12

Übungsflugzeug mit Doppelsteuer - Kabine verbreitert - der A-4 entsprechend

Ju 88 A-13

Schlachtflugzeug - mit verstärkter Panzerung - je 4 x MG 81 starr - der A-4 entsprechend

Ju 88 A-14

Bomber zur Schiffszielbekämpfung - mit stärkerer Panzerung - 2 x Jumo 211 J-Motor

Ju 88 A-15

Bomber mit einer Bombenwanne zur Zuladung von 3.000 kg - 2 x MG 15

Ju 88 A-16

Schulflugzeug

Ju 88 A-17

Torpedoflugzeug

Ju 88 B-0

Fernaufklärer - 3 MG 81

Ju 88 B-3

Zerstörerversion - BMW 801-Motoren - Vollsichtkanzel mit 3 x MG 17 und 1 x MG 15 starr

Ju 88 C-1

Zerstörer mit Spannweite von 18,37 m - 2 MG/FF, 2 MG 17 starr, 1 MG 15 im B-Stand und 1 MG 15 beweglich im Heck

Ju 88 C-2

Umwandlung der A-1-Serie zu Jagdbombern mit unverglasten Blechbug

Ju 88 C-4

Großserie der Jäger-Version A-5 - Spannweite stieg auf 20,08 m - 2 x Jumo 211 B-1

Ju 88 C-6

Zerstörerhauptversion dieser C-Serie - ab 1942 produziert - 2 x Jumo 211 J-Motoren -

Ju 88 D-Reihe

Aus der A-Reihe entwickelter strategischer Fernaufklärer mit zusätzlichen Kraftstofftanks und Kameraausrüstung im Rumpf

Ju 88 G-Reihe

Nachtjäger-Version - 2 x Jumo 213 A-Motoren - z.T. mit Radar

Ju 88 H-Reihe

Langstreckenferneraufklärer und Langstreckenzerstörer - Reichweite 4.680 km

Ju 88 P-Reihe

schweren Jägern zur Bekämpfung der Bomberverbände mit solider Bugnase und Flak u.a.

Ju 88 R-Reihe

Nachtjagdvariante - 2 x BMW 801-Motoren - Radaranlage

Ju 88 S-Reihe

Langstrecken-Bomber - aerodynamisch verbesserte und leistungsfähigere Version - BMW 801

Ju 88 T-Reihe

Photo-Aufklärer - Abwandlung der S-Reihe

Ju 188

Weiterentwicklung als Bomber/Aufklärer

Ju 388

Weiterentwicklung als Bomber/Aufklärer/Nachtjäger für große Höhen

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 

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