Luftwaffenmuseum Gatow
- Militärhistorisches Museum der Bundeswehr -


Flugabwehr, Ortungsgeräte und Raketen

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FlaRak Rad Roland: Lenkflugkörper zur Flugabwehr (ROLAND 2)

FlaRak Rad Roland: Lenkflugkörper zur Flugabwehr (ROLAND 2)

Das Flugabwehrraketensystem Roland, hier in der Modifikation FlaRakRad auf einem geländegängigen Lkw 15t, ist ein autonomes und allwetterkampffähiges Flugabwehrwaffensystem. Es dient der Bekämpfung von Flugzielen in niedrigen Flughöhen. Das in Deutschland und Frankreich entwickelte Roland-System ist in unterschiedlichen Versionen in alle Teilstreitkräfte der Bundeswehr eingeführt worden. Die Luftwaffe wurde 1987 ausgerüstet und setzte insgesamt 95 FlaRakRad zunächst zum Schutz von deutschen und amerikanischen Fliegerhorsten, später im Rahmen der allgemeinen Luftverteidig. Das System wurde ab 2002 außer Dienst gestellt.

Das Waffensystem besteht im wesentlichen aus dem um 360° drehbaren Turm mit dem Such- und Folgeradar sowie den Raketenträgern. Die Aufklärungsreichweite beträgt 16 km, die Ortungshöhe liegt bei bis 3.000 m. An den Abschußträgern befinden sich 2 und im Magazin 2 X 4 Lenkflugkörper. Das Nachladen dauert ca. 12 Sekunden. Die Zeit zum Herstellen der Startbereitschaft beträgt ca. 4 min. Die Zielbekämpfung kennt drei Betriebsarten : optisch - Radar - Mischbetrieb.

FlaRak Rad Roland: Flugkörper zur Flugabwehr (ROLAND 2)

Zielsetzung des Waffensystems ROLAND:

Das Waffensystem ROLAND diente seit 1988 der Luftwaffe zum Objektschutz und sollte durch hohe Beweglichkeit und schnelles Herstellen der Einsatzbereitschaft dieser Aufgabe zum Schutz gegen feindliche Flugzeuge gerecht werden.

Die Bekämpfung des Feindflugzeuges wurde durch einen Lenkflugkörper (kurz: LFK) sichergestellt, der über ein zweistufiges Feststofftriebwerk und einen Splittergefechtskopf mit Aufschlag- und Annäherungszünder verfügte. Dieser Lenkflugkörper drehte sich im Flug um seine eigene Achse, was seine Flugbahn stabilisierte. Lenkkommandos wurden durch eine Rudermaschine in eine Ablenkung des Abgasstrahles umgesetzt.

FlaRak Roland - Skizze

Technische Daten des Waffensystems:

Länge

9,80 m

Breite

2,90 m

Höhe

3,96

Gesamtgewicht

27,5 t

Fahrbereich

800 km

Reichweite der Radargeräte

15 km

Höhenabdeckung

0 bis 12.000 m

Kampfbeladung

10 Flugkörper

Technische Daten des Lenkflugkörpers:

Länge

2,4 m

Durchmesser

0,17 m

Startmasse

77 kg

Geschwindigkeit

Mach 1,6 (570 m/s)

Kampfentfernung

0 bis 8 km

Einsatzhöhe

0 bis 5.000 m

FlaRak Rad Roland Flugabwehr

Lenkflugkörper (ROLAND 2):

Ursprünglich kam ROLAND auf einem modifizierten Marder-Kettenfahrzeug beim deutschen Heer zum Einsatz, die deutsche Luftwaffe und auch die deutsche Marine wünschten zudem eine Variante auf einem Radfahrzeug.

Zum Einsatz kam das Waffensystem bei folgenden Luftwaffenverbänden:

  • Flugabwehrraketengruppe 41 - Standort Hohenkirchen/Wgl
  • Flugabwehrraketengruppe 42 - Standorte Schöneck und Heidenrod
  • Flugabwehrraketengruppe 43 - Standort Günzburg/Leipheim
  • Flugabwehrraketenstaffel 144 - Standort Rendsburg
  • Aufbau:

    Der hier ausgestellte sogenannte FRR (FIaRak Rad ROLAND), ehemalig Flugabwehrraketengruppe 42, verfügt über den Sonderaufbau ROLAND (kurz: SARO), bestehend aus folgenden Grundelementen:

    • dem Shelter (Kabine) mit drei Mann Besatzung:
    • dem Kommandanten, dem Richtkanonier und einem Funker, sowie
    • der Energieversorgungs-Anlage (EVA), die hinter dem Shelter montiert ist.

    Links und rechts im Shelter sind zwei Trommelmagazine eingebaut, in denen jeweils 4 LFK in ihren Startrohren drehbar gelagert sind. Nach jedem Schuss können die leeren Startrohre abgeworfen und neue LFK aus den Magazinschächten aufgenommen werden. In dem Shelter befindet sich der um 360° drehbare Turm mit der oben sichtbaren Glocke, an der links und rechts je ein LFK an einem Werfer hängt. Vorne an der Glocke befindet sich das ellipsenförmige Folgeradar, links daneben das Visier und unter der halbrunden Haube die Kommandosendeantenne. Hinten auf der Glocke angebracht ist das um 360° drehbare Suchradar mit der aufmontierten SLS-Antenne.

FlaRak Rad Roland - Skizze

    Funktion:

    Erfasst das Suchradar in seinem Erfassungsbereich von 16 km ein Flugobjekt, erhält der Kommandant unverzüglich Daten über Entfernung, Geschwindigkeit und Richtung des Zieles, gleichzeitig wird automatisch eine Freund-Feind-Abfrage durchgeführt und entsprechend der Auswertung unterschiedlich dargestellt. Anschließend „schaltet" der Kommandant das Flugobjekt mittels Folgeradar auf. Abhängig von der Lage entscheidet der Kommandant, ob das Ziel mittels Radar oder per Optik bekämpft werden soll.

    FlaRak Roland - SkizzeBei der Entscheidung Radar startet der Kommandant den LFK sobald er dieses mittels Radar aufgeschaltet hat. Das Folgeradar verfolgt nun die Flugbahnen des Flugobjektes und des LFK, und teilt die Ablagen dem Kommandorechner mit, der wiederum die entsprechenden Lenkkommandos an den LFK übermittelt.

    Bei der Entscheidung OPTIK führt der Richtkanonier mittels Visier das Flugobjekt. Über Infrarotleuchtsätze erhält der LFK die notwendigen Lenkkommandos, d.h.: die Ergebnisse der Infrarot-Strahlung werden vom Rechner mit der Flugbahn des Flugobjektes verglichen, notwendige Korrekturen automatisch umgesetzt.

    Bisher wurde das Waffensystem beschrieben, das autark arbeitet.

    Die Bundeswehr wollte jedoch die Möglichkeit einer zentralen Kampfführung, so daß ein perfekter Objektschutz gewährleistet werden konnte. Dazu waren alle ROLAND sowie rund um ein Objekt zusätzlich aufgestellte Flugabwehrstellungen zu koordinieren. Hierzu wurde ein Luftraumüberwachungsradar notwendig, das aufgrund der Gefechtsstandaufgabe kurzum "Führungsgefechtsstand ROLAND" (FGR) benannt wurde. Im FGR war schnelles Arbeiten gefragt. Nach Erfassung der Luftlage und Bearbeitung der Lage musste die Kampfführung festgelegt werden und damit eine Zielzuweisung erfolgen. Diese musste an die beteiligten Waffensysteme weitergegeben werden.

FlaRak Rad Roland Skizze
FlaRak Rad Roland: Fahrzeug des  Flugabwehrsystems (ROLAND 2)
FlaRak Rad Roland - Fahrzeug

Bekämpfungsablauf ROLAND:

  1. Das Suchradargerät erfasst das Ziel oder die Ziele (Zielerfassung) und bringt sie auf dem Sichtgerät zur Anzeige.
  2. Die Zielidentifizierung erfolgt mit dem Freund-Feind-Kenngerät.
  3. Das Folgeradar verfolgt das Ziel (Zielverfolgung) und ist in der Lage, den eigenen Lenkflugkörper zu orten.
  4. Abhängig von der taktischen Lage entscheidet der Kommandant, in welcher Betriebsart das Flugziel bekämpft wird.
  5. Zum Schluß erfolgt die Auswertung im Hinblick auf die Zerstörung des Zieles.

Betriebsarten:

  • Betriebsart „Radar":
    Sobald elektronisch angezeigt wird, dass das Ziel im Wirkungsbereich (Schießbereich) ist, wird der Lenkflugkörper ROLAND abgeschossen. Mit Hilfe von Peilsendersignalen, vermisst das Folgeradargerät ständig seine Ablage von der Waffenanlage-Ziel. Der Kommandorechner entwickelt aus diesen Informationen die erforderlichen Lenkkommandos.
     
  • Betriebsart „Optik":
    Der Richtkanonier verfolgt in dieser Betriebsart das Ziel mit dem Visier. Ist das Ziel im Schießbereich, wird die Bekämpfung freigegeben und der LFK abgefeuert. Die Position des LFK wird durch die Optronik mittels am LFK angebrachten Infraleuchtsätzen ermittelt
FlaRak Roland - Fahrzeug
FlaRak Rad Roland - Fahrzeug
FlaRak Rad Roland 2
Roland-Grafik-2
Lenkflugkörper ROLAND

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 

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