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Klemm KI 35: voll kunstflugtaugliches Flugzeug von 1935

Klemm KI 35

Beschreibung:

Klemm KI-35

1935 entwickelte die Klemm-Flugzeugbau GmbH in Böblingen das Schul- und Sportflugzeug KI 35. Das voll kunstflugtaugliche Flugzeug wurde erstmals im Oktober 1935 auf der Internationalen Luftfahrtschau in Mailand/Italien gezeigt und fand bald Interesse bei vielen Privatleuten, aber auch bei verschiedenen Luftwaffen.

Angewendet wurde die sogenannte Gemischtbauweise, wobei Stahl für den Rumpf, Holz für Flügel und Leitwerke und nur wenig Leichtmetall für Verkleidungen eingesetzt wurde. Es war die Bauweise, die zu dieser Zeit beim RLM wegen der allgemeinen Materiallage am meisten geschätzt wurde.

Zu den Besonderheiten dieses zweisitzigen Tiefdeckers, der aus dem Vorgängermodell L 25 hervorgegangen war, gehörten die zum Teil aus Sperrholz gefertigten Knickflügel. Sie ermöglichten an der Knickstelle den Anbau eines niedrigen und robusten Fahrwerks. Der Schleifsporn war gummigefedert.

Das Tragwerk war zweiholmig ganz in Holz ausgeführt, im vorderen Teil mit Sperrholz beplankt, sonst mit Stoff bespannt. Jeweils vier Steckbolzen verbanden die Außenflügel mit dem Mittelstück. Letzteres konnte, dank stärkerem Sperrholz, betreten werden.

Das einfache Leitwerk aus Holz war sperrholzbeplankt, die Höhenflosse durch eine Strebe zum Rumpfuntergurt abgestützt. Alle Ruder waren aus Holz und mit Stoff bespannt. An beiden Höhenruderhälften saßen hinten einstellbare Trimmruder. Die Trimmung konnte von beiden Sitzen aus bedient werden. Höhen- und Querruder waren massenausgeglichen und durch Stoßstangen zu betätigen, während für das Seitenruder Seilzüge verwendet wurden. Landeklappen gab es nicht.

Als Triebwerk fand bei der Ausführung A noch der Hirth HM 60 R Verwendung, während in alle späteren Ausführungen HM 504 A Reihe 2 eingebaut wurden. Die gesamte Motorverkleidung war mit dem Motor verbunden und schwang mit diesem mit. Sie konnte leicht abgenommen werden. Die beiden Motorträger links und rechts waren identisch und somit austauschbar. Der Motor war darin in Gummischwinglagern aufgehängt. Er konnte mit einer Handkurbel gestartet werden.

Über 2.000 Klemm KI 35 wurden bis 1945 produziert. Damit war dieses Muster das meistgebaute Klemm-Flugzeug. Exporte gingen unter anderem nach Ungarn, Litauen und Schweden.

Die ausgestellte Klemm KI 35 D mit der Werknummer 1917 wurde 1940 gebaut und im Rahmen eines Großauftrags an die schwedische Luftwaffe ausgeliefert. Dort flog sie mit wechselnden Kennzeichen bei verschiedenen Einheiten, bis sie 1949 die zivile Kennung SE-BPC erhielt.

1955 kam das Flugzeug nach Deutschland zurück, wo es nach einer Generalüberholung von 1956 bis 1967 unter der Kennung D-EDOD auf die Fliegerin Liesel Bach zugelassen war. Über weitere Besitzer gelangte das Flugzeug in die Sammlung "Air Classic" am Frankfurter Flughafen.

Die Streichung aus dem Luftfahrtregister erfolgte 1987. Das Deutsche Technikmuseum Berlin erwarb die KI 35 1994 und zeigt sie mit der Bemalung aus dem Jahr 1956.

Technische Daten: (Kl 35 D)

  • Bauart: zweisitziges leichtes Schul- und Reiseflugzeug
  • Spannweite: 10,40 m
  • Länge: 7,35 m
  • Höhe: 2,05 m
  • Flügelfläche: 15,20 m²
  • Leermasse: 400 kg
  • maximale Startmasse: 705 kg
  • Triebwerk: ein hängender, luftgekühlter 4-Zylinder-Reihenmotor, Hirth HM 504 A
  • 105 PS (77 kW)
  • Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
  • Reisegeschwindigkeit: 172 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 4600 m
  • Reichweite: 800 km
Klemm KI 35

 

Copyright © Lexikon der Flugzeuge und Hubschrauber von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 

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