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PZL 106 A Kruk: Agrarflugzeug mit Sprühvorrichtung des polnischen Herstellers PZL

PZL 106 A Kruk: Agrarflugzeug mit Sprühvorrichtung des polnischen Herstellers PZL

Die PZL-106 A Kruk (= Krähe) ist ein Agrarflugzeug des polnischen Herstellers Panstwowe Zaklady Lotnicze (= PZL), ein Zusammenschluss polnischer Luftfahrzeughersteller. Das Flugzeug ist als Doppelsteuer-Version zur Schulung der lizenzierten Flugzeugführer für die PZL-106 KRUG sowie zur Schulung und zum Training beim Agro-Einsatz mit Sprühanlage unter Aufsicht eines Instrukteurs zugelassen. Bei dem betroffenen Luftfahrzeug handelt sich um einen einmotorigen, doppelsitzigen, nach oben abgestrebten Tiefdecker in Metallbauweise mit festem Fahrwerk und Spornradanordnung. Die Leistung des 7-Zylinder-Sternmotors beträgt 600 PS. Das Agrarflugzeug hat eine maximale Abflugmasse von 3 000 kg.

PZL 106 A Kruk: Agrarflugzeug mit Sprühvorrichtung des polnischen Herstellers PZL

Bruchlandung vom 11.03.2011 nahe Borken:

Die PZL 106 Kruk startete am besagte Tag in Begleitung einer weiteren Person vom Sonderlandeplatz Borken-Hoxfeld (EDLY) zu einem Einweisungsflug für Flugzeuge mit Spornradsteuerung. Der vorne sitzende Luftfahrzeugführer (Einweisender) gab dem hinten sitzenden Einzuweisenden während des Fluges die Anweisung, die elektrische Kraftstoffnotpumpe einzuschalten und den Kraftstoffwahlschalter auf den anderen Tank zu stellen, weil ein Druckabfall bemerkt wurde. Das Triebwerk setzte aus und wurde nicht wieder gestartet.

Bei der anschließenden Notlandung auf einem unbestellten, lockeren und feuchten Acker brach das linke Hauptfahrwerk. Es folgte eine Bodenberührung der linken Tragfläche mit einer Drehung nach links und anschließendem Rumpfbruch.

Das linke Hauptfahrwerk knickte nach hinten weg, das Luftfahrzeug drehte um ca. 180 Grad nach links und kam danach in eine Endlage. Der Rumpf war hinter dem Cockpit im mittleren Bereich um ca. 45 Grad nach links geknickt und das Spornrad war abgerissen. Das Höhenleitwerk wurde beidseitig beschädigt. Der linke Tragflügel sowie das Querruder links waren verformt und der äußere Vorflügel war an der Oberfläche beschädigt. Die Propellerblätter waren verformt.

Neuaufbau:

Da das Flugzeug von der Firma Gehling betrieben wurde - einem renommierten Unternehmen zur Wartung von Luftfahrzeugen - war die Reparatur im eigenen Haus obligatorisch. In einem persönlichen Gespräch anläßlich der ILA 2012 teilte mir Herr Gehling mit, dass die Wiederzulassung mit zusätzlicher Gast-Pilotenkanzel im vorderen Bereich der Maschine nicht mehr möglich war. Man entschloss sich daher darauf zu verzichten und baute das Flugzeug mit dem ursprünglich vorhandenen großen Wassertank nebst Sprühvorrichtung für den Agrareinsatz neu auf.

Die Düsen der Sprühvorrichtung befinden sich hinter den beiden Tragflächen und erstrecken sich über deren gesamte Länge. Der große Wassertank nimmt nun den gesamten Bereich vor der Pilotenkanzel ein, wo sich vorher noch die Gastzelle befand. Die Pumpe der Sprühanlage wird von einem Propeller mit ca. 50cm Durchmesser durch den Fahrtwind angetrieben. Es bleibt zu hoffen, dass dieses interessante Agrarflugzeug auch weiterhin auf Air Shows präsent ist.

PZL 106 A Kruk: Agrarflugzeug mit Sprühvorrichtung des polnischen Herstellers PZL
PZL 106 A Kruk: Agrarflugzeug mit Sprühvorrichtung des polnischen Herstellers PZL

Technische Daten:

PZL 106 A Kruk PZL 106 A Kruk PZL 106 A Kruk PZL M 18 Dromadar

Besatzung

1 Pilot + 1 Mechaniker

Länge

9,10 m

Spannweite

14,80 m

Höhe

2,85 m

Flügelfläche

28,4 m²

Leergewicht

2.016 kg

Startgewicht

3000 kg

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h

Dienstgipfelhöhe

4000 m

Reichweite

400 km

Triebwerk

PZL-3S

Art

Sternmotor

Zylinder

7

Leistung

600 PS

PZL 106 Kruk

Beschreibung: Die Kruk (Krähe) wurde von PZL zum Einsatz auf den weitläufigen landwirtschaftlichen Betrieben der Comecon-Länder konzipiert und gebaut. Sie ist eine Weiterentwicklung der polnischen Agrarflugzeuge PZL-101 und PZL-104. Zwischen 1973 und 1992 verließen etwa 250 Maschinen die Montagebänder der Herstellerfirma "Centrum Naukowo-Produkcynje Samolotow Lekkich - PZL" in Warschau. An die Agrarflugstaffeln in der ehemaligen DDR wurden rund 100 Exemplare des Typs ausgeliefert.

Im harten Agrarflugeinsatz herrschten Bedingungen wie bei einem Formel-I-Boxenstopp. Die Zwischenlandungen auf einem etwa 700 Meter langen Randstreifen neben dem Acker waren perfekt geplant: Nach 200 Metern mußte das Flugzeug stehen. Dann wurde mit einem Spezialkran der Chemikalienbehälter innerhalb von einer Minute wieder aufgefüllt. Die Maschine startete sofort wieder. Rund 90 Starts und Landungen pro Tag absolvierten die robusten Tiefdecker an einem zehn- bis elfstündigen Einsatz.

Aufgrund ihrer Form und ihres Einsatzprofils ist die PZL-106 A kein Spritsparer. Zwischen 150 und 280 Liter Treibstoff verbraucht der Stemmotor pro Stunde. Dies liegt daran, weil die Flugzeuge beim Wenden über den Feldern jeweils mit Vollgas geflogen werden mußten.

Die Maschine ist wendig und handlich, aber kein bißchen kritisch und unheimlich robust. Die Zuverlässigkeit der Konstruktion wird auch daran deutlich, dass mit dem Typ in der DDR kein einziger tödlicher Unfall passierte. In einem Prospekt warb der Hersteller sogar mit einer "überschlagsicheren Kabine und Gurten, die Belastungen bis zu 40 t widerstehen".

Auffällig sind die starr angebrachten Vorflügel, die etwas von der übrigen Tragfläche abstehen. Dadurch wird der Auftrieb der ohnehin langen Flügel nochmals verbessert.

PZL 106 Kruk: Agrarflugzeug des polnischen Herstellers PZL

Beschreibung dieser Maschine:  Quelle: http://www.gehling-flugtechnik.de PZL 106 A Kruk

Bei dieser Kruk handelt es sich um eine Sonderausführung des Agrarflugzeuges. Der Chemikalientank wurde verkleinert, um Platz für ein zweites Cockpit (siehe Glasvorbau) zu schaffen. Als Trainer für Schulungen und Checkflüge war die in Leipzig-Mockau stationierte Maschine zu Agrarflug-Stützpunkten in der ganzen DDR unterwegs. Durch den modularen Aufbau von Flugzeugzelle, Tank und Zweitcockpit kann der Trainer innerhalb von zwei Tagen wieder in eine normale Einsatzmaschine umgerüstet werden. Das "R" in der Typenbezeichnung weist auf eine weitere Besonderheit an Gehlings Flugzeug hin: Zur Lärmminderung reduziert ein spezielles Getriebe die Propellerdrehzahl geringfügig PZL 106 Kruk gegenüber dem Standardmodell. 

Seitdem die Maschine mit der Kennung D-FOAB (ehemals DDR-TAB) 1994 wieder zugelassen wurde, wurden mit ihr Flugshows in ganz Deutschland und den Niederlanden besucht. Auch auf der ILA in Berlin hat man den Tiefdecker schon gezeigt.

Während die Agrarflugzeuge früher Pestizide oder Düngemittel über die riesigen Ackerflächen der “Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften” (LPG) zwischen Ostsee und Erzgebirge versprühten, demonstriert der heutige Besitzer ihre Einsatzmöglichkeiten jetzt mit Wasser. Über ein Schaltersystem an Steuerknüppel und Gashebel betätigt der Pilot den Sprühmechanismus und behält so stets die Kontrolle über das Flugzeug. An Flugtagen führt der Pilot auch gern die Feuerlöschfähigkeiten der Kruk vor. Aus dem Chemikalientank stürzen dann im Schnellabwurf bis zu 500 Liter Wasser auf brennende Heuballen herab.

Geschichte dieser Maschine: 

Dieter Gehling - jetziger Eigner - entdeckte die Kruk durch Zufall. Ein Privatmann hat das Flugzeug kurz nach der Wende gekauft, aber konnte es nicht halten. Deshalb wurde die Maschine zerlegt und für die Verschiffung nach Venezuela vorbereitet. Zuvor hatte das südamerikanische Land bereits 30 Kruks aus DDR-Beständen gekauft. Die Lieferung nach Venezuela kam aber nicht mehr zustande. Das Flugzeug blieb fast drei Jahre auf dem Lagerplatz bei Anklam in Mecklenburg-Vorpommern liegen und stand kurz vor der Verschrottung. Für 2.500 DM kaufte er die Trümmer und brachte Rumpfteile sowie Tragflächen in eine Zweigstelle seines Betriebes bei Magdeburg. Rund sechs Monate dauerte die Restaurierung, inklusive einer originalgetreuen Neubemalung. Herr Gehling wurde durch einen ehemaliger DDR-Fluglehrer eingewiesen. Ohne die Informationen von früheren DDR Agrarpiloten und Technikern wäre die Restaurierung seines 1978 gefertigten Tiefdeckers niemals so schnell möglich gewesen, berichtete der jetzige Pilot aus Westfalen.

Firma PZL:

PZL (Pańnstwowe Zakłlady Lotnicze = Staatliche Luftfahrt-Werke) ist die staatliche polnische Luftfahrtindustrie, die auf ein Werk in Warschau von 1928 zurück geht. Seitdem wurden in bewegter Geschichte Eigenkonstruktionen, Lizenzbauten und Komponenten ziviler und militärischer Flugzeuge und Hubschrauber hergestellt.

Derzeit gliedern sich die PZL u.a. in folgende Subunternehmen:

  • PZL Bielsko: Segelflugzeuge der Marke 'SZD', z. B. SZD-9 Bocian (Die Abkürzung SZD - für Szybowcowy Zakłlad Dośswiadczalny - bedeutet in etwa Segelflugzeug-Erprobungswerk.)
  • PZL Świdnik: Segelflugzeuge der Marke 'PW', z. B. PZL PW-5, sowie Hubschrauber (u.a. PZL W-3)
PZL 106 A Kruk: Agrarflugzeug des polnischen Herstellers PZL
PZL 106 Kruk

        

PZL 106 Kruk - Cockpit
PZL 106 Kruk Cockpit
PZL 106 Kruk - Motor
PZL 106 Kruk Motor

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 

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