Lexikon der Flugzeuge

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Etrich Taube D II: Die Tragflächenform des Flugzeugs erinnert an Vogelschwingen

Etrich Taube D II: Die Tragflächenform des Flugzeugs erinnert an Vogelschwingen
Etrich Taube D II

Der stoffbespannte Eindecker, dessen Tragflächenform an Vogelschwingen erinnert, ist ein originalgetreuer Nachbau, entstanden beim Historischen Flugzeugbau Fürstenwalde. Professor Heinz Linner aus Wien baute dort diese Taube vom Typ NM 1913 (D-ETRI) nach Plänen von Rozendaal aus dem Archiv d. techn. Hochschule Wien. Dieses Flugzeug wurde mit einem Walter-Minor 6-Zylinder und 160 PS motorisiert und 2000 eingeflogen.

Es ist weltweit die einzige "Taube", die wirklich fliegen kann und darf. Nachdem die Etrich-Taube im Jahr 2000 erstmals in die Luft gebracht wurde, ist viel nachgebessert worden. Vor allem der Motor hatte zuerst Probleme mit zu hoher Temperatur bei Vollgas bereitet. Auf der ILA waren die Probleme schon behoben. Die historische Flugmaschine flog dort regelmäßig jeden Tag mehrmals.

Später soll das Flugzeug an eine Filmfirma verkauft worden sein. Seit 2008 befindet sich das Flugzeug in Omaka, Neuseeland, im dortigen Flugmuseum. Es soll in absehbarer Zeit wieder geflogen werden.

Etrich Taube: Die Tragflächenform des Flugzeugs erinnert an Vogelschwingen
p1 Albatros B2 (1914) Harlan Eindecker, Militärtyp von 1913 Rumpler Taube, 1910
(Luftwaffenmuseum) Blériot XI (1909)
(ILA 2000) Hübner - Eindecker
1912 (Sinsheim)

Technische Daten:                 

Motor: Walter-Minor - Leistung: 105 Ps - Reisegeschwindigkeit: 80 - 110 km/h - Verbrauch: ca. 40 l/h - Tankinhalt: 60 Liter - Leergewicht: 450 kg - Abfluggewicht: 780 kg - Spannweite einschließlich Ausleger: 14,8 m - Gesamtlänge mit Überschlagbügel: 10,00 m - Höhe einschl. Spannturm: 3,5 m - Schwanzlänge: 2,5 m - Schwanzbreite einschl. Ausleger: 3,8 m - Flügeltiefe mit Querruder: 3,3 m - Flügeltiefe ohne Querruder: 2,6 m - Spurweite: 2,5 m - Stoffbespannung (Verbrauch): 71 m² - Spanndrähte: 258 m - Anzahl der Spannschlösser: 256 -

Etrich Taube D II: Die Tragflächenform erinnert an Vogelschwingen

Geschichte:

Flugansicht
(ILA 2004)

Igo Etrich wurde 1879 in Oberaltstadt im Riesengebirge geboren. Nach dem Besuch bei Prof. Ahlborn begann Igo Etrich, zusammen mit Franz Xaver Wels, bei Trautenau erste Gleitversuche, zuerst unbemannt, dann mit Pilot. Zu Studienzwecken hatte Etrich dazu einen Lilienthal-Gleiter in Berlin erworben.

Um 1907 siedelte er nach Wien über und setzte dort seine Flugversuche fort. Wels trennte sich von Etrich, sein Nachfolger hieß Illner. 1909 gelang ihm mit der 24 Ps Starke "Etrich I" ein Flug über 100 m. Das Flugzeug hatte noch ein großes Kufengestell. 1910 stand die erste "Taube" bereit. Es war ein Eindecker mit aus Stoff verkleidetem Rumpf und vorne eingebautem Zugmotor. In diesem Zusammenhang stürzte Etrich bei Versuchen ab und wurde schwer verletzt.

Nach Reparatur durch seinen Partner gelang im Mai 1910 ein größerer Flug von Wiener-Neustadt nach Wien und zurück. Etrich hatte inzwischen weitere Fortschritte erzielt und ein österreichisches Patent auf die Taube erhalten. Er vergab anschließend die Nachbaurechte an die Österreichische Motorluftfahrt Gesellschaft, welche die “Taube” mit verschiedenen starken Motoren baute.

Es entstanden auch Weiterentwicklungen, wie die "Schwalbe" und die "Möwe". In Deutschland erhielt “Rumpler” die Nachbaurechte, stellte aber bald die Zahlungen der Lizenzgebühren ein. Etrich gab daraufhin die Nachbaurechte frei und die Taube wurde aufgrund ihrer recht stabilen Flugeigenschaften von vielen Firmen nachgebaut.

Igo Etrich gründete danach in Schlesien noch die eigenen "Etrich-Flieger-Werke", deren Konstruktionsbüro von Ernst Heinkel geleitet wurde, der später ebenfalls durch eigene Flugzeuge bekannt wurde. Den Nachbau seiner Konstruktion konnte er aber nicht mehr verhindern.

Die “Taube B1” und ihre Nachfolger waren ohne Zweifel die sichersten und beständigsten Flugzeuge ihrer Zeit. Es sind nur ganz wenige Unfälle bekannt.

Die Steuerung der ersten Flugapparate dieser Art war vergleichsweise primitiv. Gelenkt wurde, indem mit einem Steuerrad mittels Seilzüge die Tragflächen verwunden wurden. Die Maschinen konnten lediglich zur Seite geneigt werden und die eigeleiteten großräumigen Kurven mußten durch Korrekturen am Höhenruder ausgeglichen werden. Seitenruder waren noch nicht bekannt. Bei dieser Etrich Taube war das jedoch schon anders.

Etrich Taube D II: Tragflächenform des Flugzeugs erinnert an Vogelschwingen
Etrich-Taube - Seitenansicht

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 

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