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Henschel Hs 293: lenkbare deutsche Gleitbombe im 2. Weltkrieg gegen Schiffsziele

Henschel Hs 293

Kurzbeschreibung: Die Henschel Hs 293 entstand aus der normalen SC 500 Bombe mit angebauten Flächen, Flossen und einem Antriebsmotor

Sie wurde mit verschiedenen Leitsystemen erprobt. Die Modelle V4 und C-1 waren funkgesteuert wie die Fritz-X, aber nachdem sich herausgestellt hatte, dass man den Leitstrahl storen kann, wurden die Modelle C-3, C-4 und A-0 mit einem Steuerdrahtsystem ausgerüstet.

An den beiden Tragflachenspitzen der Bombe waren Lenkdrahtspulen befestigt, welche sich wahrend des Fallens abwickelten und über die die Bombe vom Startflugzeug aus mittels elektrischer Impulse gelenkt werden konnte.

Die A-Modelle besaßen eine Art panzerbrechenden Hohlladungs-Sprengkopf. Die C-Modelle hatten konische Form zum Eintauchen unter die Wasseroberfläche kurz vor dem Ziel, um dann unterhalb der Wasserlinie die Schiffsseite zu treffen.

Technische Daten:

Länge

3,82 m

Spannweite

3,10 m

Durchmesser

0,47 m

Nutzlast

550 kg

Schub

600 kp

max. Zielentfernung

15 km

Vmax.

120 bis 250 m/s

Trägerflugzeuge

He 111, DO 217, Fw 200, He 177, JU 290

Henschel Hs 293

Beschreibung:

Auslöser für die Entwicklung der ersten Fernlenkwaffe war die mangelnde Präzision herkömmlicher Abwurfmunition auf Seeziele. Ende 1939 beauftragte das Reichsluftfahrtministerium die Henschel Flugzeug-Werke AG in Berlin mit der Konstruktion einer Fernlenkwaffe gegen Punktziele.

Unter strenger Geheimhaltung entwarf Konstrukteur Herbert Wagner auf Basis einer herkömmlichen 500-Kilogramm-Bombe die Gleitbombe Hs 293. Am Bombenkörper wurden Tragflächen und Leitwerk angeschlossen sowie eine Fernsteuereinrichtung eingebaut.

Gesteuert wurde die Hs 293 vom Trägerflugzeug aus über eine Funkfernsteuerung des Typs "Kehl" (Sender) / "Straßburg" (Empfänger).

Der Antrieb erfolgte durch ein von Fairma Walter hergestelltes Flüssigkeitsraketentriebwerk, dem HWK 109-507. Dieses diente nicht dem eigentlichen Antrieb, sondern sollte die Gleitbombe lediglich in der Abwurfphase beschleunigen, vor das Trägerflugzeug und damit in das Blickfeld des Bombenschützen bringen. Es wurde nach dem Abwurf automatisch gezündet.

Am Heck des Flugkörpers befand sich ein rauchloser Leuchtsatz für den Tag und ein Scheinwerfer für die Nacht, um die Beobachtung durch den Schützen zu erleichtern. Um die Geschwindigkeit im Bahnneigungsflug ab Mach 0,75 zu begrenzen wurden Widerstandskörper an den Tragflügelenden verwendet.

Der Flugkörper wurde in einem Polarkoordinatensystem gesteuert. Dabei wurden die Querruder und das Höhenruder von einer elektrischen Fernsteuerung betätigt. Eine Staudruckmessung veränderte dabei geschwindigkeitsabhängig den Ausschlag des Höhenruders und besorgte eine Nachtrimmung.

Das Zielen geschieht nach einem Verfahren, bei dem der Flugkörper und das Ziel stets in Deckung gehalten werden. Eine Lenkung über einen nachgeschleppten Draht war in Entwicklung, kam jedoch nicht zum Einsatz. Damit wäre die Hs 293 gegen Funkstörungen unempfindlich gewesen.´

Die Hs 293 war speziell für die Zerstörung von Handelsschiffen und leicht gepanzerten Kriegsschiffen konstruiert und kam ab 1942 im Mittelmeerraum zum Einsatz. Angriffe auf Landziele waren zunächst aus Geheimhaltungsgründen verboten. Später stellte sich heraus, dass die Hs 293 für diesen Verwendungszweck wenig effektiv war. Ab Ende 1944 wurden aufgrund der alliierten Luftüberlegenheit keine Schiffsziele mehr angegriffen. Deshalb kamen nur wenige hundert der insgesamt 12.000 gefertigten Henschel-Gleitbomben zum Einsatz. Der größte Teil wurde noch vor Kriegsende verschrottet.

Henschel Hs 293
Henschel Hs 293

 

Copyright © Lexikon der Flugzeuge und Hubschrauber von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 

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