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Air and Space Museum
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- Smithsonian Institution -

Kaman K-225: Ein mit einem Flettner-Doppelrotor ausgestatteter Hubschrauber der USA von 1949

Kaman K-225: ein mit einem Flettner-Doppelrotor ausgestatteter Hubschrauber der USA von 1949

Moderne Hubschrauber haben sich als eine wesentliche Komponente bei einer Vielzahl von Operationen von Flügen über tückischem Terrain oder feindlichem Gebiet beim tragen schwerer Lasten von Personal, Waffen oder Ausrüstung etabliert. Das Turbinentriebwerk mit seinem hohen Grad an Zuverlässigkeit und großer Wellen-PS hat den Hubschrauber sicher genug gemacht, um in Umgebungen, in denen Kolbenmotore Schwierigkeiten bei der Bereitstellung des notwendigen Maßes an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistung hätten, sicher zu betreiben. Die Kaman K-225 war der weltweit erste Hubschrauber mit einem turbinengetriebenen Antrieb.

Charles H. Kaman gründete die Kaman Aircraft Company Ende 1945, um einen ineinandergreifenden Doppelrotor-Helikopter für den zivilen Markt zu entwickeln. Kaman fühlte, dass gegenläufig rotierende Rotore effizienter waren, als die Heckrotor-Designs von Igor Sikorsky im Zweiten Weltkrieg, der Pionierarbeit geleistet hatte. Der Vorteil der von Kaman synchronisieten Konfiguration war, dass es keine Notwendigkeit für einen Heckrotor gab, der Motorleistung von den Hauptrotoren abzweigt. Darüber hinaus würde der Entwurf Gewicht durch den Verzicht auf den Heckausleger sparen.

Der synchronisierte Doppelrotor wurde im Zweiten Weltkrieg ursprünglich vom deutschen Anton Flettner erfunden, der mit seinem Hubschrauber “Flettner Fl 282 Kolibri” Pionierarbeit leistete. Schon Kamans erste beiden Entwürfe der K-125 und K-190 übertraf die Fl 282 in der Leistung. Die K-190 wurde mit offenem Cockpit vermarktet, aber kaum verkauft. Sie weckte jedoch das Interesse an der Firma. Mit einer verbesserten Version begann die Produktion im Jahr 1949 bei Kaman Bradley Feldfabrik in Connecticut als Kaman K-225.

Der Kaman K-225 war zunächst mit einem Lycoming O-435-A2-Kolbenmotor mit einer Dauerleistung von 225 PS ausgestattet. Der Prototyp und die ersten zehn Serienmaschinen waren für den „Sprüheinsatz“ in der Landwirtschaft konfiguriert, weil der starke Rotorabwind das Insektizid gleichmäßiger und gründlicher als Flugzeuge verspüht.
Die Zelle der K-225 bestand aus einer Stahlrohrkonstruktion mit Tandemsitzen vor den Masten der beiden ineinandergreifenden Rotore. Das einzige Zugeständnis an die Piloten vor den Wetterelementen war eine kleine Plexiglas-Windschutzscheibe, die marginalen Schutz vor der heranstürmenden Luft beim Vorwärtsflug bot.

Der Hubschrauber hatte eine neuartige Servoklappensteuerung, welches die Steuerdrücke drastisch reduzierte, die auf den meisten Hubschraubern bis zu diesem Zeitpunkt recht schwer und sehr anstrengend für den Piloten auf langen Flügen waren. Allerdings musste ein verstellbares Dämpfersystem installiert werden, um dem Piloten ein realistisches Gefühl der Steuerkontrolle zu geben. Es wurde ein Dreibeinfahrwerk verwendet, das von Oleo-Stoßdämpfern abgefedert wurde. Die K-225 war einer der ersten Hubschrauber für Nachtflugbetrieb. Ein Nachteil der synchronisierten Rotor-Konfiguration war, dass sie mit 62,6 Knoten (72 mph) deutlich langsamer als ihre Single-Rotor-Pendants aus der gleichen Zeit waren.

Letztlich waren allerdings die höheren Betriebskosten dieses Hubschraubers gegenüber der Verwendung von Starrflüglern nicht zu rechtfertigen, und Kaman musste andere Wege beschreiten, um die K-225 auf den Markt zu plazieren. Kaman schafft es, eine Maschine an die Regierung der Türkei zu verkaufen und eine andere für geologische Untersuchungen im Gebiet des Mississippi. Militärische Aufträge folgten mit zwei für die Marine und eine für die Küstenwache. Doch das offene Cockpit der K-225 war nicht für ein modernes Militärflugzeug geeignet.

Kaman konnte jedoch einen Auftrag von der Marine für vier Prototypen eines verbesserten Modells, die HOK-1, als eine mögliche Alternative zur Sikorsky S-52 sichern. Kaman konnte nach schwierigen Verhandlungen die Navy überzeugen, dass das Überleben des Unternehmens wichtig für die Erfüllung der militärischen Bedürfnisse im sich entwickelten Korea-Konflikt war. Im September 1950 gewährte die Navy Kaman einen Auftrag für die K-225 mit einem geschlossenen Cockpit, die als die HTK-1 Schulungshubschrauber bekannt war. Die Kabine reduzierte allerdings die ausgezeichneten Flugeigenschaften des K-225. Ferner war die K-225 als Schulungshubschrauber auch nicht besonders geeignet, weil die Flugschüler später in den Einheiten auf Hubschrauber mir Heckrotor vorbereitet werden mussten. Viele sahen daher den Einsatz als Mehrzweckhubschrauber als geeigneter an.

Kaman entwickelte folglich einen von einer Gasturbine angetriebenen Hubschrauber, der diese Anforderungen erfüllen sollte. Er fand schnell eine Marinegasturbine, die Boeing 502-2, die in der Lage war, kontinuierlich 175 Wellen-PS zu liefern, anstelle der 220 PS des Lycoming O-435-A2 Kolbenmotors. Das Gewicht des Antriebs wurde um mehr als die Hälfte reduziert. Im Ergebnis flog die K-225 besser mit dem neuen Motor als je zuvor. Dies galt vor allem in höheren Fluglagen, wo bei verringerte Luftdichte Gasturbinen viel weniger Leistungsverlust haben. Dadurch spielte Kaman weiterhin eine führende Rolle bei den Innovationen. Drei Jahre später wurde eine Variante als zweimotoriger Turbinenhubschrauber gebaut. In diesem Helikopter wurden zwei Boeing-Motore mit insgesamt 380 Wellen-PS verwendet.

Sobald die Navy die Analyse der mit einer Turbine ausgestatteten K-225 beendet hatte, ging die oben abgebildete Maschine zur Lagerung zum Bradley Field, Connecticut. Im Jahr 1957 spendete die Marine den Hubschrauber der Smithsonian Institution. Leider wurde das ursprüngliche Turbinentriebwerk nach dem Test entfernt. Später wurde ein YT50-BO-2 Motor zum Helicopter hinzugefügt, um das Erscheinungsbild des Originals wiederzugeben.

Der Kaman H-43 Huskie als direkte Nachfahre des K-225 leistete ausgezeichnetes während der gesamten Vietnam-Ära als Rettungs- und Löschhubschrauber.

Technische Daten:

Rotordurchmesser

11,58 m

Länge

6,83 m

Höhe

3,51 m

Leergewicht

816 kg

Startgewicht

1.225 kg

Antrieb (Kolbenmotor)

Lycoming O-435-A2

Leistung

220 h.p.

Antrieb (Turbine)

Boeing 502-2

Leistung

175 s.h.p.

Sitze

3

Serial No.

125477

Kaman K225
Kaman K 225
Kaman K-225 - Flugansicht

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow - Berlin, Spandau

 

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